Wildblumen/Slowflowers direkt vom Feld

Bunter Wildblumenstrauß vor Scheunentor in der Sonne.
Mehrere Wildpflanzen wurden in der Hitzewoche auf ihre Haltbarkeit in der Vase getestet. Die Blumen standen bei über 30 Grad draußen im Schatten, die Ergebnisse waren zum Teil erstaunlich, doch nicht alles funktioniert wie erhofft.

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Viele Kunden, viele Leserinnen dieser Website haben es schon bemerkt: Die Wildblümerey ist nicht ganz so streng, wenn es um die geographische Herkunft ihrer Pflanzen geht. Neben den heimischen Wildstauden werden hier auch weitere insektenfreundliche Pflanzen angeboten, meist aus Süd- und Osteuropa. Außerdem einige wenige Zuchtsorten, die sich im Staudengarten aus ästhetischen Gründen bewährt haben.

Neu ins Programm kommen ab diesem Jahr nachhaltige Schnittblumen oder sogenannte Slowflowers. Damit sind einjährige Blumen oder auch Stauden gemeint, die regional und ohne Hilfsmittel unter freiem Himmel heranwachsen. Da sich die Blüte nach dem Rhythmus der Natur richtet, sind nicht immer alle Arten verfügbar. Verkauft wird, was gerade wächst, in der Winterpause übernehmen Trockenblumen.

Slowflowers statt Import-Blumen

Konventionelle Schnittblumen dagegen kennen keine Jahreszeiten, rund 90 Prozent kommen als Importware nach Deutschland – oft aus armen Ländern ohne ausreichenden Arbeitnehmerschutz und stark mit Spritzmitteln belastet. Auch weisen diese Blumen eine miserable Ökobilanz auf, selbst wenn sie aus Holland stammen, denn die riesigen Gewächshausflächen müssen beheizt und gewässert werden.

Das Problem: Anders als bei Nahrungsmitteln ist die Herkunft von Blumen nicht deklarationspflichtig. Verbraucher*innen wissen oft nicht um die Hintergründe oder wollen sie nicht wissen oder es ist ihnen egal. Es kommt sogar vor, dass hierzulande verbotene Pestizide ins Ausland verkauft und dort auf den Blumen-Feldern versprüht werden, woraufhin die derart belasteten Blumen dann wieder bei uns landen.

Als Reaktion auf die Methoden dieser traditionellen Schnittblumen-Industrie hat sich vor rund 20 Jahren in den USA die Slowflower-Bewegung begründet. Überall in den Bundesstaaten entstehen seitdem kleine Blumenfarmen, die direkt ab Feld oder ab Hof verkaufen. Auch in Deutschland ist das Thema vor einigen Jahren angekommen und hat vielfältige Blüten getrieben: Selbstpflückfelder, Marktstände, Verkauf ab Feld, DIY-Sträuße, Workshops, Junggesellinnen-Abschiede und Fotoshootings »on location«.

Schnittblumen in der Staudengärtnerei?

Und die Wildblümerey? Ist eigentlich eine Staudengärtnerei, und das aus gutem Grund: Mit Stauden wird etwas aufgebaut, da wird in die Zukunft gedacht, Lebensräume und Ökosysteme entstehen, Platz für Wildtiere wird geschaffen, auch auf kleinstem Raum, auch auf dem Balkon. Stauden als mehrjährige Pflanzen kommen jedes Jahr wieder und strahlen jeden Tag, bestenfalls von März bis November.

Schnittblumen dagegen habe ich nie als wirklich freundlich empfunden, auch wenn sie in freundlicher Absicht gekauft werden. Da müssen Pflanzen auf dem Höhepunkt ihres Daseins ihr Leben lassen, nur um eine Woche lang in unseren sterilen Innenräumen dahinzuwelken – fernab ihres natürlichen Lebensraums, in dem sie doch viel schöner aussehen. Vermehren dürfen sie sich auch nicht, weil sie ja nicht mehr bestäubt werden können. Insofern ist schon der Ausdruck »nachhaltige Schnittblumen« ein Widerspruch in sich, eine Art Oxymoron.

Rückschnitt sinnvoll verarbeiten

Und dennoch: Die Entscheidung fiel im Winter für die Schnittblumen, und das aus guten Gründen. Einmal geht es um die Abfälle, die auch eine Gärtnerei produziert. Zwar landet der Stauden-Rückschnitt auf dem Kompost und verrottet zu neuer Erde, doch diese Erde muss auch wieder irgendwo untergebracht werden. Wieviel einfacher wäre es doch, die Stiele rechtzeitig abzuschneiden – vor allem bei den Verkaufstöpfen.

Hier sollen die Pflanzen eigentlich nicht zur Blüte kommen, da sie sich sonst zu sehr verausgaben, mehr Wasser benötigen und sich in die Nachbartöpfe aussamen. Viele Kolleg*innen schneiden die Stauden in den Töpfen deshalb regelmäßig zurück. Ich lasse die Pflanzen aber meist blühen, denn ich bringe es nicht übers Herz sie einzukürzen – und die Kund*innen möchten auch lieber Blühendes kaufen.

Die Stauden in den Beeten dürfen aber ebenfalls mehr geschnitten werden, denn in einem regenreichen Frühjahr wie diesem kippen sie irgendwann um und müssen dann sowieso dran glauben. So habe ich gerade innerhalb von zwei Wochen einen riesigen Komposthaufen erzeugt, nur weil die Wege freigeschnitten werden mussten. Ganz abgesehen von dem immensen Arbeitsaufwand, der ja nur den Schaubeeten dient, nicht dem Verkauf.

Stauden und Einjährige gemischt

Ein weiteres Pro-Argument: Viele Blumen lassen sich schneiden und treiben dann wieder aus, nicht nur die Stauden. Dafür sind viele Einjährige bekannt, die umso mehr Verzweigungen und Blüten treiben, je mehr man sie einkürzt oder Verblühtes abschneidet. Strohblumen, Kosmeen oder Löwenmäulchen gehören dazu. Der Schnitt tötet die Pflanze also nicht, sondern lässt sie kompakter nachwachsen. Im Herbst kann sie sich dann immer noch aussäen (wenn das Saatgut winterhart ist).

Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen natürlich eine Rolle. Wildstauden sind immer noch ein Nischen-Produkt, und Bielefeld ist nicht Berlin oder München, das heißt die Nachfrage ist überschaubar. Und obwohl heimische Stauden das ganze Jahr über gepflanzt werden können, ja, oft im Juni überhaupt erst zur Keimung kommen, bleiben doch der April und Mai die klassischen Verkaufsmonate. Ende Juni beginnt schon das Sommerloch. Schnittblumen können für eine Gärtnerei also eine Möglichkeit sein, die Saison zu verlängern.

Dazu gehören natürlich auch Trockenblumen – für die die Gärtnerin seit jeher eine Schwäche hat. Die entsättigten Farben und feinen Düfte dieser kleinen Kunstwerke sind einfach unbeschreiblich, in der Sinneswahrnehmung vielleicht vergleichbar dem fünften Geschmackssinn umami. Um Trockenblumen herzustellen, müssen allerdings zuerst lebende Blumen geschnitten werden. Da ist es beruhigender, wenn der Schnitt sowieso anfällt, weil die Pflanze remontieren soll.

Wildblumen-Strauß vs. üppiges Bouquet

Was erwartet Sie nun konkret mit dem neuen Angebot? – Wie bei den Wildstauden vor einigen Jahren werde ich mich langsam an das Thema herantasten und bitte meine Kund*innen um Geduld. Es wird zu Beginn noch nicht so viel Auswahl geben, vor allem hat gerade die Hitzewelle viele Stauden frühzeitig abblühen lassen. An Einjährigen sind dieses Jahr nur mehrere Sorten Strohblumen und Strandflieder in der Anzucht, sie sind wahrscheinlich im August schnittfertig. Die bestehenden Stauden bieten trotzdem schon eine schöne Auswahl für einen kleinen Wildblumen-Handstrauß.

Üppige Bouquets sind nicht meine Sache, deshalb wird es keine Klassiker wie Dahlien, Rosen oder Pfingstrosen geben. Mein Fokus liegt eher auf kleinen, luftigen Sommersträußchen, zum Beispiel mit Glockenblumen, Labkraut, Witwenblumen und Skabiosen, Ziest, Wilder Möhre oder Frauenmantel. Nächstes Jahr sollen dann auch klassische Schnittblumen wie Kosmeen, Rittersporn und weitere Schafgarben hinzukommen.

Ab dieser Woche werden (vorerst) Freitagabends lose Stiele für DIY-Sträuße zur Verfügung stehen bzw. können selbst geschnitten werden. Die Abholzeit reicht bis eine Stunde nach der normalen Öffnungszeit für den Staudenverkauf, also bis 19 Uhr. Geplant ist, immer am späten Donnerstag-Abend die zur Verfügung stehenden Arten auf der Seite »Infos« zu listen.

Damit Sie die Blumen sicher nach Hause mitnehmen können, gibt es ein feuchtes Pad mit einem kleinen Beutel darum für die Stiele. Am besten stehen sie über Nacht kühl und dunkel in etwas Wasser, um sich zu erholen. Am nächsten Tag sollten sie vor dem Arrangieren dann noch einmal angeschnitten werden. Es ist hilfreich, etwas Essig und Zucker ins Wasser zu geben – gegen die Bakterienbildung und als Pflanzennahrung.

 

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