Wildstauden für unterschiedliche Standorte

Zwei blaue Blüten.
Nicht ganz einfach in Kultur: das Ausdauernde Sandglöckchen, das sauren Boden braucht, der nie ganz trocken fallen darf. Auf dem Balkon scheint es gut zu funktionieren.

Die Pflanzenliste der Wildblümerey ist mittlerweile auf rund 180 Arten und Sorten angewachsen, die Gärtnerin kann es selbst kaum glauben. Natürlich ist nicht immer alles vorrätig, vor allem jetzt im Mai nicht: Überwinterte Pflanzen aus 2025 sind zum Teil abverkauft, die neuen Jungpflanzen müssen aber noch wachsen, da der Rhythmus in einer Wildstauden-Gärtnerei sich an der Natur orientiert. Und die hat dieses Jahr beschlossen, mal wieder einen ganz normalen Frühling stattfinden zu lassen, mit Kälte bis in den Mai hinein und nicht allzu viel Sonne. Das animiert die kleinen Keimlinge in den Anzucht-Regalen nicht gerade zu freudigem Wachstum.

Eine Lücke gibt es derzeit zum Beispiel bei der Echten Schlüsselblume oder dem Staudenlein. Etwas Lein habe ich deshalb bei einem Kollegen nachgekauft, die neuen Schlüsselblumen sind in etwa zwei, drei Wochen soweit. Auch wenn es verlockend wäre, die kleinen Pflanzen mit mehr Dünger oder Wärme zu pushen: Es schadet ihnen eher, denn sie wachsen dann zu schnell und zu hoch, verlieren an Widerstandskraft, werden anfällig für Schnecken und andere Schädlinge. Eile ist ja auch gar nicht nötig: Die Saison für Wildstauden endet nicht Anfang Juni, sondern geht bis in den Oktober hinein!

Damit Sie aus der (Un-)Menge an Namen eine kleine Handreichung für Ihren Garten erhalten, fasse ich hier einige typische Pflanzen nach Standort oder Verwendung zusammen. Ich orientiere mich dabei an den häufigsten Fragen der Kund*innen.

Niedrige Pflanzen für den Balkonkasten

Rundblättrige Glockenblume, Alpen-Steinquendel, Niederliegender Ehrenpreis, Färber-Kamille, Heide-Nelke (starkwüchsig), Karthäuser-Nelke, Ähriger Ehrenpreis, alle Thymiane, Dost, Sandglöckchen, Kugelblume, Schlüsselblume, Felsen-Nelke (starkwüchsig), Kriechendes Seifenkraut (starkwüchsig), Hornklee (starkwüchsig), Strand-Grasnelke, Sand-Grasnelke, Kleinblütige Bergminze (starkwüchsig), Kriechendes Schleierkraut, Mauer-Zimbelkraut (halbschattig), Moschus-Malve, Sand-Nelke, Sand-Strohblume, Gelber Lauch, alle Teufelskrallen (halbschattig), Wirbeldost, Waldmeister (halbschattig), Veilchen (halbschattig), Klippen-Leimkraut, Mauerpfeffer.

Viele Sonnenliebhaber kommen auch mit Halbschatten (wenige Sonnenstunden am Tag) zurecht. Halbschatten-Pflanzen wiederum tolerieren mehr Sonne, wenn der Boden nicht austrocknet. Als Substrat eignet sich Kübelpflanzenerde, weil sie sich nicht so schnell verdichtet und damit den Wurzeln Luft zum Atmen lässt. Die Kästen sollten aus einem Material sein, das im Winter nicht platzen kann.

Bedenken Sie, dass der Platz im Balkonkasten begrenzt ist und die Erde schnell austrocknet, vor allem bei Wind und auf einem Südbalkon. Je mehr der Kasten durchwurzelt ist, desto weniger Wasser steht zur Verfügung. Es sollte also regelmäßig ausgedünnt oder gegossen werden, ein Wasserspeicher ist empfehlenswert. Auch wenn Wildstauden in der Regel kaum Dünger benötigen, muss im Kasten oder Kübel nachgedüngt werden, weil sich die Erde verbraucht. Organischer Dünger ist dafür passend.

Auch höhere Wildstauden funktionieren auf dem Balkon, wie nicht nur der Blog Wilder Meter zu berichten weiß. Die Autorin listet zusätzlich weitere Balkon-Blogs, bei denen Sie sicher viele Anregungen finden.

Wilde Bodendecker

Alpen-Steinquendel (niedrig), Niederliegender Ehrenpreis (niedrig), Heide-Nelke (niedrig), alle Thymiane (niedrig), Blauroter Steinsame (mittel), Hornklee (höher), Felsen-Nelke (höher), Kriechendes Seifenkraut (mittel), Kriechendes Schleierkraut (niedrig), Mauer-Zimbelkraut (niedrig), Sand-Nelke (niedrig), Waldmeister (mittel), Lungenkraut (höher), Mauerpfeffer (niedrig), Gedenkemein (niedrig), Katzenpfötchen (niedrig), Klippen-Leimkraut (niedrig), Günsel (niedrig), Fingerkraut (niedrig), Braunelle (niedrig), Pfennigkraut (niedrig).

Große Wildpflanzen als Ersatz für konventionelle Prachtstauden

Wiesen-Witwenblume, Mazedonische Witwenblume, Wiesenrauten (feucht), Anis-Ysop, Blut-Weiderich (feucht), Großblütiger Ziest, Eibisch (frisch), Herzgespann, Echtes Mädesüß (feucht), Schafgarbe, Wasser-Dost (feucht), Baldrian (feucht), Tauben-Skabiose, Gelbe Skabiose, Fingerhut, Großer Wiesenknopf (feucht), Heil-Ziest, Wiesen-Storchschnabel, Hohes Schleierkraut, Königskerzen, Klebriger Salbei, Rainfarn, Wald-Geißbart, Skabiosen-Flockenblume, Wiesen-Flockenblume, Wald-Glockenblume, Wegwarte, Wilde Möhre, Weiße Lichtnelke, Rote Lichtnelke, Wiesen-Pippau, Acker-Glockenblume, Wilde Karde, Wilde Malve, Wiesen-Bocksbart.

Beete in der vollen Sonne

Rundblättrige Glockenblume, Alpen-Steinquendel, Niederliegender Ehrenpreis, Färber-Kamille, Heide-Nelke, Karthäuser-Nelke, Aufrechter Ziest, Ausdauernder Lein, Ähriger Ehrenpreis, Ästige Graslilie, Astlose Graslilie, alle Thymiane, Dost, Sandglöckchen, Kugelblume, Felsen-Nelke, Kriechendes Seifenkraut, Hornklee, Strand-Grasnelke, Sand-Grasnelke, Kleinblütige Bergminze, Kriechendes Schleierkraut, Moschus-Malve, Sand-Nelke, Sand-Strohblume, Gelber Lauch, Wirbeldost, Mauerpfeffer, Katzenpfötchen, Klippen-Leimkraut, Wiesen-Witwenblume, Mazedonische Witwenblume, Anis-Ysop, Großblütiger Ziest, Herzgespann, Schafgarbe, Tauben-Skabiose, Gelbe Skabiose, Heil-Ziest, Wiesen-Storchschnabel, Hohes Schleierkraut, Königskerzen, Rainfarn, Skabiosen-Flockenblume, Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Wilde Möhre, Wiesen-Pippau, Acker-Glockenblume, Wilde Karde, Wilde Malve, Berg-Bohnenkraut, Berg-Aster, Berg-Gamander, Blauraute, Blut-Storchschnabel, Breitblättriger Strandflieder, Currykraut, Dichtblütiger Ziest, Dornige Hauhechel, Lavendel, Salbei, Echtes Federgras, Johanniskraut, Echtes Labkraut, Seifenkraut, Edel-Gamander, Felsen-Steinkraut, Flachblatt-Mannstreu, Gelbe Nelke, Gelbe Resede, Kugel-Lauch, Ochsenzunge, Gewöhnliche Küchenschelle, Natternkopf, Gewöhnlicher Odermennig, Graues Heiligenkraut, Großes Windröschen, Großer Ehrenpreis, Hohes Schleierkraut, Kleines Mädesüß, Kronen-Lichtnelke, Kugel-Lauch, Nordischer Drachenkopf, Ochsenauge, Olivenkraut, Orangerotes Habichtskraut, Patagonisches Eisenkraut, Polster-Johanniskraut, Pfingst-Nelke, Pfirsichblättrige Glockenblume, Purpur-Fetthenne, Purpur-Königskerze, Purpur-Leinkraut, Purpur-Sonnenhut, Rasselblume, Ruthenische Kugeldistel, Schöner Kiel-Lauch, Steppen-Salbei, Taubenkropf-Leimkraut, Weißes Labkraut, Wiesen-Glockenblume, Wiesen-Margerite, Wiesen-Salbei, Wiesen-Schlüsselblume, Woll-Ziest, Wundklee, Ysop, Zypressen-Wolfsmilch, Wiesenrauten (feucht), Blut-Weiderich (feucht), Eibisch (frisch), Färber-Ginster (frisch), Wiesen-Knöterich (frisch),Echtes Mädesüß (feucht), Wasser-Dost (feucht), Baldrian (feucht), Großer Wiesenknopf (feucht), Gelbe Schwertlilie (feucht), Gewöhnlicher Strandflieder (feucht), Kuckucks-Lichtnelke (feucht), Langblättriger Ehrenpreis (feucht).

Hier sind deshalb so viele Pflanzen aufgeführt, weil sonnige Beete nicht unbedingt trockene Beete sind. Die Nordseite des Teuto weist etwa besonders oft sandige Lehmböden auf, die sehr lange Feuchtigkeit und Nährstoffe halten.

Schattige Beete

Blauroter Steinsame, Klebriger Salbei, Wald-Geißbart, Wald-Glockenblume, Nesselblättrige Glockenblume, Waldmeister, Mauer-Zimbelkraut, alle Teufelskrallen, Echtes Lungenkraut, Gedenkemein, Akelei, Großblütiger Fingerhut, Roter Fingerhut, Hohe Schlüsselblume, Große Sternmiere, Großes Buschwindröschen.

Mit »schattig« ist hier kein Vollschatten gemeint, sondern Schatten, der dunkler ist als Halbschatten (wenige Sonnenstunden am Tag) oder lichter Schatten (Wechsel zwischen Licht und Schatten). An den letzten beiden Standorten funktionieren mindestens ebenso viele Pflanzen wie bei den Beeten in der vollen Sonne.

Sandiger Boden

Rundblättrige Glockenblume, Niederliegender Ehrenpreis, Purpur-Leinkraut, Sand-Strohblume, Kleines Mädesüß, Heide-Nelke, Karthäuser-Nelke, Ähriger Ehrenpreis, Pfingst-Nelke, Färber-Kamille, Aufrechter Ziest, Ästige Graslilie, Astlose Graslilie, alle Thymiane, Dost, Kriechendes Seifenkraut, Echte Kugelblume, Sand-Grasnelke, Kriechendes Schleierkraut, Hohes Schleierkraut, Sand-Nelke, Mauerpfeffer, Katzenpfötchen, Tauben-Skabiose, Gelbe Skabiose, Skabiosen-Flockenblume, Violette Königskerze, Berg-Gamander, Großer Ehrenpreis, Edel-Gamander, Echter Salbei, Wiesen-Salbei, Muskateller-Salbei, Blauraute, Blut-Storchschnabel, Currykraut, Echtes Federgras, Felsen-Steinkraut, Kugelköpfiger Lauch, Schöner Kiel-Lauch, Gelber Lauch, Gelbe Nelke, Gelbe Resede, Gewöhnliche Küchenschelle, Natternkopf, Heiligenkraut, Olivenkraut, Orangerotes Habichtskraut, Wundklee, Ysop, Zypressen-Wolfsmilch.

Die Empfehlungen für sandigen Boden orientieren sich an den Zeigerwerten nach Ellenberg (Feuchte höchstens 3) und dem Naturstandort. Das heißt, dass diese Pflanzen an diesem Standort besser geeignet sind als andere, aber nicht, dass sie bei Ihnen auch funktionieren. Das gilt auch für die anderen Empfehlungen oben, denn jeder Standort und jeder Boden ist anders. Auch weitere Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie etwa der pH-Wert, die Düngebelastung oder die Verdichtung, gerade im städtischen Gebiet. Bei Sandboden ist es oft entscheidend, ob unter dem Sand noch eine wasserführende Schicht besteht, in die viele Tiefwurzler dann einwurzeln können.


In der App Natura DB, aber auch in den Online-Shops einiger größerer Wildstauden-Gärtnereien, können Sie über die Suchfunktion den Standort oder die Höhe der Pflanzen festlegen und sich damit eine kleine Liste für Ihr Projekt ausgeben lassen.

Auf dem YouTube-Kanal der Händler-App Gardify werden einige Wildpflanzen im Porträt vorgestellt, auch das Projekt TGTA, dem die Wildblümerey beigetreten ist. Außerdem gibt es dort Tips zur insektenfreundlichen Mahd. Interessant auch die Diskussionen unter den Videos.

Ebenfalls interessant die Miniserie »Mehr Arten im Garten« der Stiftung Naturschutz Berlin mit den Themen Wildbienen, Schmetterlinge und Gemeinschaftsflächen in der Kleingarten-Anlage.