Wechselhafter Start ins Frühjahr

Schwarze Hummel mit zwei dunkelgelben Streifen am Lungenkraut.
Sie leisten im Frühjahr Schwerstarbeit, um einen neuen Staat aufzubauen: Hummelköniginnen. Hummeln fliegen und sammeln bis zu 18 Stunden täglich.

Was für ein Start in den Frühling. Erst werden wir Anfang März direkt in den Sommerurlaub katapultiert, der Einzelhandel muss spontan kurze Hosen und Grillkohle ordern. Dann, zwei Wochen später, die Rolle rückwärts: Regen und Wind satt, Temperaturen Richtung null Grad, und statt Sandalen sind wieder Winterboots angesagt.

Natürlich gibt es nirgendwo ein Versprechen, dass ab März die Sonne scheint, nicht im Grundgesetz und nicht in der Bibel. Aber geht es Ihnen auch so: Fast immer fühlt sich der Winter zu lang an, der Wechsel von Kalt auf Warm ist für Körper und Geist eine Wohltat und deshalb schnell gemeistert. Zurück auf Kalt dagegen ist einfach nur gemein.

Oft frage ich mich, was Tiere und Pflanzen in der Gärtnerei wohl über das Wetter denken würden, wenn sie denken könnten (davon ausgehend, dass der Mensch die Definition von Denken auf sich gemünzt hat). Aber vielleicht ist es der große Vorteil dieser Spezies, dass sie die Gegebenheiten der Natur wahrnehmen, nicht urteilen und ihr Handeln danach ausrichten – ganz im Sinne östlicher Philosophien.

Hummelköniginnen im Regen

Mein Mitgefühl haben sie trotzdem. Zum Beispiel die ersten Hummelköniginnen: Nach anfänglichem Zögern ob des warmen Wetters starteten sie ihre Suchflüge, um in irgendeinem Mäuseloch einen neuen Staat zu gründen. Oder hingen am Lungenkraut und den Blausternchen, um nach einem langen Winter die ersehnte Energie zu tanken.

Zwar sind Hummeln echte Power-Bienen und fliegen schon ab einem Grad Celsius und bei Graupelschauern. Bei anhaltendem Regen wird es für sie und andere frühe Insekten allerdings schwierig, denn einige Pflanzen öffnen dann ihre Blüten nicht. Da wir kaum noch Blüten in der freien Landschaft haben, kann das schon das Ende des Staates bedeuten, bevor er überhaupt gegründet wurde. Hummeln stehen nicht ohne Grund unter Naturschutz.

Und wie ist es mit den Pflanzen? – Die sehen im Moment noch nicht so schick aus, wie mancher es gerne hätte. Viele sind noch klein, mit braunen Blättern vom Winter oder gänzlich ohne Austrieb. Doch wie würden wir wohl dastehen, wenn wir wochenlang gefroren gewesen wären, danach zwei Wochen im Matsch gestanden hätten, weitere zwei Wochen nichts zu trinken bekommen hätten und jetzt plötzlich wieder vollgeregnet würden?

Düngestrategie im Frühjahr

Das ist das Schicksal in der Freiland-Gärtnerei: Geduld ist angesagt, keinesfalls sollte man Töpfe zu früh in die Tonne werfen. Wildpflanzen kommen einfach später, aber dann robust und zuverlässig. Ihr natürlicher Rhythmus wurde nicht im warmen Gewächshaus durcheinandergebracht.

Ein Problem hat die Gärtnerin trotzdem, denn eigentlich wäre jetzt die erste Frühjahrsdüngung fällig. Die Erde in den Töpfen ist nach mehreren Monaten ausgelaugt, und wenn es dann schnell warm wird, startet natürlich auch die Photosynthese und die Pflanzen brauchen Nahrung.

Normalerweise dünge ich flüssig, da die Töpfe oft viele Monate stehen. Nur beim Umtopfen kommt etwas Schafwolle auf den Topfboden, ansonsten benutze ich kaum organischen Feststoffdünger, unter anderem, weil er Trauermücken anzieht (siehe Projekt der Hochschule Weihenstephan, Ergebnisse unter Publikationen). Ist es nun länger nass, funktioniert das mit dem Flüssigdünger nicht und die Pflanzen müssen etwas warten.

Dafür sind dann wiederum das Bodengewebe und das Häckselgut auf den Stellflächen hilfreich. Die Pflanzen können ihre Wurzeln durch die Töpfe in den Boden schicken und sich dort Nährstoffe holen, an heißen Tagen natürlich auch Wasser. Kundinnen und Kunden müssen dann zwar manchmal am Topf ziehen und die Feinwurzeln abreißen, aber zuhause im Garten wachsen die Pflanzen schnell wieder an.

Wundern Sie sich nicht, wenn beim Einpflanzen Erde aus dem Topf bröselt. Viele Pflanzen werden gerade neu getopft, da es ihnen in der alten Behausung zu eng geworden ist. Gleichzeitig werden Beikraut und Moos entfernt. So herausgeputzt steht dem weiteren Wachstum (fast) nichts mehr im Wege.