Start in den Frühling

Schwebfliege auf Winterling
Schwebfliege auf Winterling.

Nach den unerwarteten Schneemassen im Februar und den warmen Tagen vor einer Woche hat sich das Wetter wieder etwas »normalisiert« und wir liegen zwischen fünf und acht Grad. Die meisten Pflanzen im Freiland haben den Kälteeinbruch gut überstanden, aber einige Kräuter haben doch sehr gelitten. Besonders leid tut es mir um die Rosmarin-Ableger, die ich sogar in Jute gepackt hatte. Doch trotzdem sind einige braun geworden, auch unter dem Schnee.

Die Rosmarin-Mama stand jahrelang in der Innenstadt vor einer Hauswand und hätte jetzt schon längst wieder geblüht; auch im November hat sie das gerne gemacht. Aber der Umzug nach Theesen aufs freie Feld hat sie sehr gestresst, der Südwestwind hier oben ist einfach gnadenlos. Ich hoffe sehr, dass sie sich erholt und bald wieder grün austreibt.

Ansonsten sichte ich zur Zeit die aufgelaufenen Jungpflanzen, wobei mir die Vogelmiere das Leben schwer macht – wie eigentlich schon seit Monaten. Sie wuchert vergnüglich auch den Winter hindurch, sodass Jäten gefährlich ist, weil sie die kleinen Keimlinge verdeckt. Es ist also ein Kompromiss nötig: die Vogelmiere so lange wachsen lassen, bis man sie besser am Schopf packen und aus der Erde ziehen kann, was bei diesem schmatzigen Lehmboden allerdings ordentlich auf die Daumensattelgelenke geht.

Vogelmiere hat auch 'was Gutes

Doch langsam, langsam beginne ich mich mit der Vogelmiere anzufreunden. Nicht dass ich sie als Salat schätzen würde – sie schmeckt mir einfach nicht –, aber sie hält als lebender Mulch den Boden bedeckt und schützt ihn so vor Erosion. Außerdem habe ich heute beobachtet, dass eine Wildbiene mit unendlicher Geduld die Mini-Blüten abgeflogen ist. Gänseblümchen und Schneeglöckchen haben sie dagegen nicht interessiert. Das heißt, ohne die Vogelmiere hätten die Wildbienen auf meiner Fläche gerade nichts zu essen. Das ist doch ein starkes Argument für dieses lästige Beikraut.

Mit Krokus und Winterlingen bringe ich derzeit noch weitere Blühpflanzen auf der Fläche aus. Sie stammen von Urban Gardening Beeten in der Stadt, die ich gerade auflöse, um mich ganz der Wildblümerey zu widmen. Frühblüher sind wichtig für das Gesamtgefüge, denn auch die ersten Hummelköniginnen sind schon unterwegs. Wenn sie jetzt nichts zu essen finden, gibt es später kein Hummelvolk.

Da ich die wenigen Exemplare – auch Lungenkraut und Schlüsselblumen sind dabei – noch nicht verkaufen kann, kommen sie auf gesonderte Beete. So grabe ich sie nicht versehentlich um, wenn sie eingezogen haben, und die Wildbienen haben eine unberührte Bodenfläche zum Nisten.

Essbare Wildkräuter

Gestern habe ich auf dem Feld auch Löwenzahn und jede Menge Taubnesseln entdeckt. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn sie werden monatelang für wertvollen Nektar und Pollen sorgen, solange die Sommerstauden noch nicht blühen. Farblich wirken sie sehr frisch und fröhlich zusammen, seit Jahrzehnten stehen sie für die typischen nährstoffreichen Wiesen in unseren Gärten und Parks. Beide sind heimisch und essbare Wildkräuter.

Auch die kleine Hängeweide macht sich für das Frühjahr bereit. Sie habe ich ebenfalls mit dem Fahrrad hierhergezogen, denn sie stand vorher auf meiner ehemaligen Patenwiese an der Wertherstraße. Die plüschigen Kätzchen sind schon da. Weiden gehören wie Hasel oder Kornelkirsche zu den früh blühenden Bäumen und sind damit sehr hilfreich für Insekten.

Was in diesen Tagen neben der üblichen Gartenarbeit noch ansteht, ist die Pflege des Blühstreifens vor dem Zaun. Die Mischung ist die bekannte »Blühende Landschaft« von Rieger-Hofmann, ich hatte sie im letzten Juni ausgebracht. Eigentlich ist sie auf fünf Jahre Standzeit ohne Pflege ausgerichtet, aber das ist utopisch, wenn das Gras so wuchert wie hier am Feldweg. Ich lockere also den Boden, sense die alten Samenstände und bringe bei Bedarf neues Saatgut aus.

Der Blühstreifen war Jobst Brockmeyer wichtig, Landwirt und Eigentümer der Fläche rund um den Engelingshof. Er hat hier nicht nur der Solawi, sondern auch der Wildblümerey eine Heimat gegeben hat. Auf dem Feld gegenüber baut er außerdem Silphie an, eine Energiepflanze, die als Alternative zu Mais gilt. Sie hat eine Standzeit von bis zu 15 Jahren, d. h. das Feld muss nicht ständig umbrochen werden und der Boden bleibt damit gesünder.

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