Herbstzeit ist Pflanzzeit
Mitte September ist in der Wildblümerey so richtig der Herbst ausgebrochen. Stürmische Winde fegen über die Fläche und werfen die Töpfe durcheinander. Dicke Wolken, Sprühregen und kleine Schauer folgen in Minutenschnelle auf strahlend blauen Himmel, sodass es eigentlich keine passende Kleidung geben kann: Entweder man schwitzt oder man wird nass.
Den meisten Pflanzen geht es jetzt besser als im August oder Juli. Die moderate Wärme, der zeitweise bedeckte Himmel und der verlässliche Regen sind für sie weniger stressig als starker Wind und Dauersonne. Ideal für die Pflanzung von Stauden also, denn: Herbstzeit ist traditionell Pflanzzeit.
Die dritte Jahreszeit hat gegenüber dem Frühjahr einige Vorteile. So stellen die Pflanzen nach und nach ihr oberirdisches Wachstum ein, gesteuert von Temperatur und Tageslänge. Die Kraft geht stattdessen in die Wurzeln, die im noch warmen Boden weiterwachsen und bis zum nächsten Jahr ein solides Fundament bilden.
Im Herbst gepflanzte Stauden können im Frühling eher losstarten, da sie sich schon akklimatisiert haben. Außerdem müssen sie nicht mit Trockenstress kämpfen, der in den letzten Jahren zwischen März und Juni ja immer häufiger auftritt. Im Gegenteil: Der Herbst selbst sorgt in der Regel für das Angießen, sodass auch noch Wasser gespart werden kann.
In einer Wildstauden-Gärtnerei sind Sie mit dem Kauf im Herbst auf der sicheren Seite. Alle Pflanzen stehen ganzjährig im Freiland. Unsere heimischen Gewächse sind so robust, dass sie sogar im Topf überwintern, obwohl der Platz begrenzt ist und die Erde gefrieren kann. Ausfälle hat es in der Wildblümerey bisher meistens wegen Nässe oder Kahlfrost gegeben.
Jetzt Zwiebeln pflanzen
Ebenfalls winterfest sind heimische Zwiebel- und Knollenpflanzen, und auch diese werden traditionell im Herbst in den Boden gebracht. Zu ihnen gehören Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia), Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) oder Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta). Aber auch so ungewöhnliche Pflanzen wie die Weinbergs-Tulpe (Tulipa sylvestris), der Kiel-Lauch (Allium carinatum), der Kugelköpfige Lauch (Allium sphaerocephalon) oder die Schachbrettblume (Fritillaria meleagris).
Viele sind mittlerweile selten und deshalb besonders geschützt. Eine Übersicht findet sich auf Natura DB und bei der Uni Würzburg. Bei Blumenzwiebeln sollte man besonders auf eine biologische Herkunft achten, da der konventionelle Anbau jede Menge Pestizide einsetzt. Bio-Blumenzwiebeln sind leicht im Netz zu finden, bekannte Shops sind z. B. Natural Bulbs, ReinSaat, Sativa oder Bingenheimer. Wer Raritäten sucht, ist bei Michael Camphausen gut aufgehoben.
Zwiebeln mögen keine Staunässe, deshalb sollte schwerer Boden mit Sand, Rindenkompost oder Lavagrus gemischt werden. Werden sie im Topf gezogen, brauchen sie im Frühjahr eine kleine Düngergabe, ansonsten sind sie eher anspruchslos und haben es im Sommer gerne etwas trockener.
Schon im zweiten Jahr dürfen Sie sich über Nachwuchs freuen: Entweder die Pflanzen säen sich aus und es wachsen kleine, schmale Grashalme aus Mini-Zwiebelchen. Oder sie bilden kleine Tochterzwiebeln, was meist unbemerkt unter der Erde passiert, manchmal aber auch oben am Blütenkopf oder in der Blattachsel. Auf jeden Fall sollte bei den Zwiebel- und Knollenpflanzen das Laub nicht entfernt werden, bevor es völlig abgestorben ist.
In der Wildblümerey bekommen Sie zwar keine Zwiebeln, aber immer mehr Zwiebelpflanzen. 2025 sind das Gelber Lauch, Blauer Lauch, Schöner Kiel-Lauch (Subspecies pulchellum), Berg-Lauch, Kugelköpfiger Lauch und Gefingerter Lerchensporn. 2026 sind geplant: Atlantisches Hasenglöckchen, Weinbergs-Tulpe, Zweiblättriger Blaustern und Gelbes Windröschen.
